Berlin Alexanderplatz

„Mein Leben wäre anders verlaufen“, schrieb Rainer Werner Fassbinder kurz vor seinem Tod, „als es mit Döblins „Berlin Alexanderplatz“ im Kopf, im Fleisch, im Körper, lächeln Sie meinetwegen, verlaufen ist.“

Ich lächle nicht, ich glaube ihm jedes Wort. „Dies Buch berichtet von einem ehemaligen Zement- und Transportarbeiter Franz Biberkopf in Berlin. Er ist aus dem Gefängnis, wo er wegen älterer Vorfälle saß, entlassen und steht nun wieder in Berlin und will anständig sein.“ So beginnt der 1929 erschienene, sprachgewaltige Roman, der von Fassbinder in seiner über 15 Stunden langen Fernsehverfilmung als faszinierende, außerordentlich bildstarke Vision des urbanen Molochs und seiner Bewohner collagiert wurde – was ihm fast ausnahmslos hämische Verrisse eingebracht hat.

50 Jahre zuvor hatte bereits Piel Jutzi den Versuch unternommen, Döblins Werk für die Leinwand zu adaptieren. In seiner inszenatorisch und schauspielerisch beachtlichen Version spielt Heinrich George den Franz Biberkopf, der vier Jahren abgesessen hat, nachdem er im Affekt seine Geliebte erschlagen hatte. Obwohl er Angst hat, in die Einsamkeit der Großstadt zurückzukehren und rückfällig zu werden, versucht er, das Leben eines ehrbaren Bürgers zu führen. Natürlich wird er schnell aus der Bahn geworfen …

„Dies zu betrachten und zu hören wird sich für viele lohnen, die wie Franz in einer Menschenhaut wohnen und denen es passiert wie ihm, nämlich vom Leben mehr zu verlangen als das Butterbrot.“ Was Döblin im Vorwort zu „Berlin Alexanderplatz“ schrieb, gilt ebenso für Jutzis Verfilmung.

 

Berlin Alexanderplatz Deutschland 1931, 88 Minuten, ab 12 Jahren, R: Paul Jutzi D: Heinrich George, Maria Bard, Bernhard Minetti

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