Caspar David Friedrich

Wozu sollen wir immer Fremde nachahmen, als ob wir Griechen oder Römer wären?“, hat Caspar David Friedrich einst gefragt. „Laßt uns unsere Menschen nach unserer Gestalt malen, ohne poetische Farben aus einem fremden Himmelsstriche zu holen.“

Schön, düster, rätselhaft – die Landschaftsbilder Caspar David Friedrichs (1774-1840) sind charakteristisch für die deutsche Romantik und werden heutzutage sogar bei Einbürgerungstests nachgefragt. Zu Lebzeiten fast in Vergessenheit geraten, wurde er Anfang des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt und gilt seitdem als bedeutendster Vertreter und „Erfinder“ der Romantik.

Das vielfach prämierte Filmdokument „Caspar David Friedrich – Grenzen der Zeit“ nähert sich der Person und dem Leben des genialen Künstlers nicht nur über sein umfangreiches Werk, sondern vor allem über die Menschen, die mit ihm lebten und arbeiteten, die ihn liebten und verachteten. Hauptfigur ist der Arzt und Maler Carus, der ein Jahr nach Friedrichs Tod die Schrift „Friedrich der Landschaftsmaler – zu seinem Gedächtnis nebst Fragmenten aus seinen nachgelassenen Papieren“ veröffentlichte. Nahezu originalgetreu zitiert Regisseur Peter Schamoni Zeitzeugen wie Clemens Brentano und Achim von Arnim, die ihre Gefühle in „Empfindungen vor Friedrichs Seelandschaft“ zu Papier brachten. Oder Kleist, der schwermütig das Bild „Mönch am Meer“ betrachtet, als ob „die Augenlider weggeschnitten wären“.

Man hätte über Friedrich auch einen reißerischen Film drehen können. Konfliktstoff gab es zu Genüge: die unermüdliche Suche des Künstlers nach dem Sinn seiner Arbeit und die Ignoranz und Arroganz seiner Zeitgenossen. Aber Peter Schamoni wollte mehr und er hat mehr erreicht. „Grenzen der Zeit“ – entstanden in Koproduktion mit der DEFA – ist weder Spielfilm noch Dokumentation, sondern eine grandiose Collage über einen großen deutschen Künstler, die einen langsam, aber unaufhaltsam in die Welt der Romantik zieht.

 

Caspar David Friedrich – Grenzen der Zeit BRD 1986, 84 Minuten, ab 6 Jahren, R: Peter Schamoni, D: Helmut Griem, Sabine Sinjen, Hans Peter Hallwachs

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