Das Schweigen (Tystnaden)

„Ich weiß, dass ich immer nur und immer wieder ein und dieselbe Situation darstelle: Gott und den Teufel – und was wir tun können, um unser Leid und das der anderen zu lindern“. Ingmar Bergman hat – wie außer ihm nur noch Frederico Fellini – ein Werk geschaffen, das nicht nur höchsten künstlerischen Ansprüchen genügt, sondern auch – zumindest zeitweilig – äußerst erfolgreich war. Immer wieder hat der Pastorensohn aus Uppsala die Frage nach dem Sinn des menschlichen Daseins und nach der Existenz Gottes gestellt: in „Das siebente Siegel“ (1956) ebenso wie in „Wilde Erdbeeren“ (1957) oder „Die Jungfrauenquelle“ (1959).

Den Zenit seiner Karriere erreichte Bergman zweifellos 1963 mit dem Drama „Das Schweigen“. Die beunruhigende Albtraumwelt lockte allein in Deutschland über zehn Millionen Zuschauer in die Kinos. Sie umgab der Reiz des Verbotenen, der Ruch des Skandals, wegen exakt 118 Sekunden, die nach dem Urteil des katholischen Filmdienstes „die Grenze des öffentlich Darstellbaren überschreiten und als Beleidigung der Menschenwürde empfunden werden können“.

Der Inhalt des Films ist schnell erzählt: Esther und ihre Schwester Anna sowie deren Sohn Johan kommen in eine fremde Stadt, deren Einwohner eine unbekannte Spache sprechen. Sie steigen in einer Herberge ab und werden schnell von einer lähmenden Spachlosigkeit übermannt. Während Esther an einer unheilbaren Lungenkrankheit stirbt, stürzt sich Anna selbstquälerisch in sexuelle Abenteuer.

Dass Bergman die Entfremdung und Existenzangst in einer gottverlassenen Welt zum Thema machen wollte, wurde wahrscheinlich von den wenigsten Kinobesuchern wahrgenommen. Immerhin hat diese offenkundige theologische Interpretation den Film für die Zensur in Deutschland unangreifbar gemacht.

 

Das Schweigen Schweden 1963, 95 Minuten, s/w, ab 16 Jahren, R: Ingmar Bergman, D: Ingrid Thulin, Gunnel Lindblom, Jörgen Lindström

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