Der Himmel über Berlin

„Als das Kind Kind war,/ging es mit hängenden Armen,/wollte, der Bach sei ein Fluss,/der Fluss sei ein Strom,/und die Pfütze das Meer.“ Mit Peter Handkes „Lied vom Kindsein“ beginnt diese erstaunliche Geschichte, die uns in eine Welt entführt, in der Realität, Mythos, Legende, Träume und übernatürliche Visionen untrennbar miteinander verbunden sind. Eine Geschichte, die von den Engeln Damiel (Bruno Ganz) und Cassiel (Otto Sander) handelt, die auf ihrer Flugbahn irgendwo zwischen Gott und Mensch durch den Himmel über Berlin schweben und dabei nur von Kindern wahrgenommen werden. „Wir haben uns so sehr daran gewöhnt, alle Arten von Monstern und imaginären Figuren im Kino zu sehen“, hat Wim Wenders erkannt. „Warum also nicht einmal freundliche Wesen? Solche, die uns keine Angst machen wollen, sondern unsere Ängste mit uns teilen.“

So kommt es, dass seine Engel unablässig die große Stadt durchstreifen und über die Bewohner wachen. Sie trösten, helfen, nehmen Anteil und versuchen händeringend, uns und unsere ungereimten Gedanken zu entschlüsseln, was dadurch erschwert wird, dass sie unsere Wirklichkeit nur in schwarz-weiß wahrnehmen und auch einen gänzlich anderen Zeitbegriff als wir haben. Als Damiel sich eines Tages in die Trapezkünstlerin Marion (Solveig Dommartin) verliebt, wächst in ihm die Sehnsucht, die Sphäre der Engel zu verlassen und die Welt der Menschen in neuen Farben, mit neuerworbener Sinnlichkeit kennen zu lernen.

In teilweise überwältigenden Bildern eingefangen, mit vortrefflichen Darstellern (u.a. Peter Falk) besetzt und einem prächtigen Soundtrack (Nick Cave, Laurie Anderson, Tuxedomoon, etc.) ausgestattet, ist „Der Himmel über Berlin“ eine faszinierende und fantasievolle Liebeserklärung an die ehemals geteilte Metropole.

 

Der Himmel über Berlin Deutschland/Frankreich 1987, 122 Minuten, ab 6 Jahren, R: Wim Wenders D: Bruno Ganz, Otto Sander, Solveig Dommartin

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