Der Untertan

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„Diederich Heßling war ein weiches Kind, das am liebsten träumte und sich vor allem fürchtete. Am meisten vor dem Vater, der immer nur mit Pflicht und Ehrenfestigkeit auf dem verbitterten Unteroffiziersgesicht den Stock geführt hatte.“ So fängt nicht nur Heinrich Manns Roman „Der Untertan“ an, so – mit einer Flut der Bilder – beginnt auch Wolfgang Staudtes famose Verfilmung: der kleine Diederich auf dem Eisbärenfell, der Vater mit dem Rohrstock, die Mutter mit ihren angsteinflößenden Märchen, der Pfarrer auf der Kanzel, der Polizist auf der Straße, der Schornsteinfeger, „der einen durch den ganzen Schlot schleifen konnte, bis man auch ein schwarzer Mann war und der Doktor, der einen im Hals pinseln durfte, daß man glaubte, ersticken zu müssen“.

Diederich, Sohn eines Papierfabrikanten im Wilhelminischen Deutschland, lernt bereits in frühester Jugend die unterschiedlichsten Autoritäten kennen. Er begreift, dass er der Macht zu Diensten sein muss, um selbst an die Macht zu kommen. Nach oben buckeln, nach unten treten, ist nun seine Maxime. So kommt er überall durch: als Student in einer schlagenden Verbindung, bei der Armee oder als Unternehmer in seiner Heimatstadt. Er heiratet die gutsituierte Guste Daimchen und arbeitet sich durch Intrigen und Anbiedereien zum Stadtverordneten hoch.

„Der Untertan“ ist ein facettenreiches Portrait eines großspurigen Opportunisten und Reaktionärs, eine bitterböse Satire auf den deutschen Untertanengeist. Während in Westdeutschland die Heide grünte und der Schwarzwald jodelte, drehte Staudte in der DDR einen der bedeutendsten Filme der deutschen Filmgeschichte. Hierzulande durfte „Der Untertan“ sechs Jahre nicht gezeigt werden.

 

Der Untertan DDR 1951, 108 Minuten, ab 12 Jahren, R: Wolfgang Staudte D: Werner Peters, Renate Fischer, Sabine Thalbach, Paul Esser

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