Der Zauberberg

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“Ein einfacher junger Mann reiste im Hochsommer von Hamburg, seiner Heimatstadt, nach Davos im Graubündischen. Er fuhr auf Besuch für drei Wochen.“

Hans Castorp, der Held in Thomas Manns Roman „Der Zauberberg“, will seinen kranken Vetter im Sanatorium besuchen. Er erliegt jedoch so sehr der Faszination des Morbiden, daß er selbst an Tuberkolose erkrankt und sieben lange Jahre an jenem „hermetischen Ort“ bleibt, bis ihn der Ausbruch des Ersten Weltkriegs von den Bergen hinab in die Ebene der Schlacht befiehlt.

Wie andere Werke der Literatur-Moderne – Joyces „Ulysses“ etwa oder Musils „Mann ohne Eigenschaften“ – galt Manns Tausend-Seiten-Wälzer lange als unverfilmbar. Ein so anspruchsvoller Motivreichtum, eine so komplizierte Bedeutungsfülle ließ selbst den mit Mann-Adaptionen vertrauten Luchino Visconti („Tod in Venedig“) zurückschrecken. Erst Hans W. Geissendörfer traute sich 1982 diesen cineastischen Seiltanz zu.

Seine zweieinhalb Stunden lange Kinofassung (es existiert auch noch ein doppelt so langer TV-Dreiteiler) erzählt in dramatischer Raffung und von der fragwürdigen Begeisterung für Krankheit und Tod, von der fiebrigen Lust am Untergang.

Dabei übersetzt der Regisseur Manns Albträume so geradlinig, so physisch, ja bisweilen so respektlos, dass es eine wahre Freude ist. Und er lässt die Figuren in ihrer Abgründigkeit stehen, anstatt sie – wie der große Autor – in Grund und Boden zu deuten.

Geissendörfer hat zum Glück Darsteller gefunden, die sogar ohne viel Handlungs-Pohei ihr Geheimnis bewahren. Während der junge Christoph Eichhorn als Castorp oder Marie-France Pisier als Madame Chauchat mit einer fast schlafwandlerischen Sicherheit dieses Bilderlabyrinth durchstreifen, führen alte Haudegen wie Rod Steiger (als lebenssatter Herr Peeperkorn) nicht nur ihr Können vor, sondern eine majestätische Menschenruine, deren Neurosen niemand wirklich begreifen kann.

 

Der Zauberberg Deutschland/Frankreich/Italien 1981, 153 Minuten, ab 16 Jahren, R: Hans W. Geissendörfer D: Marie-France Pisier, Christoph Eichhorn, Hans Christian Blech, Rod Steiger

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