Die Nächte der Cabiria (Le notti di Cabiria)

„Ich bin ein großer Lügner,“ hat er einmal gesagt. Und auch das Zitat „Der einzig wahre Realist ist der Visionär“ wird ihm zugeschrieben. Kein anderer europäischer Regisseur war in der Lage, das pralle Leben so in Bilder zu fassen, wie Federico Fellini (1920-1993). Vor allem konnte keiner seine Krisen, seine Sehnsüchte und Wunschträume so auf die Leinwand bringen, dass sich ein Millionenpublikum damit identifizieren konnte. In seinen Filmen wurden die Landstraßen zu Bühnen, die Geschichten zu Traumsequenzen, die Menschen zu Gauklern, Ganoven oder Gottheiten.

Nach seinem ersten Welterfolg „La Strada“ (1954) dreht Fellini das allegorische Drama „Die Nächte der Cabiria“, mit dem er das Thema aus „La Dolce Vita“ (1960) vorwegnimmt: seine Faszination und der damit unlösbar verbundene Schrecken vor den schillernden Verlockungen einer durch und durch erotisierten (Schein-)Welt.

Cabiria, ein römisches Straßenmädchen, hat sich – trotz der schrecklichen Erfahrungen, die in diesem Job zwangsläufig zu sein scheinen – ihren edlen Charakter bewahrt. Ihr Glaube an das Gute im Menschen ist durch nichts zu erschüttern. Und obwohl sie von den Männern ein ums andere Mal enttäuscht – und fast ermordet – wird, verliert sie weder ihre Lebensfreude, noch die Hoffnung auf Erfüllung ihres kleinen Glücks.

Giulietta Masina, Fellinis Ehefrau und Muse, beeindruckt in der Rolle der naiven Prostituierten, die sich auf der Suche nach Liebe und Geborgenheit nicht unterkriegen lässt. Nachdem der Film mit einem Oscar ausgezeichnet worden war, machte Hollywood daraus ein paar Jahre später das Musical „Sweet Charity“ mit Shirley MacLaine.

 

Die Nächte der Cabiria Italien/Frankreich 1957, 111 Minuten, ab 16 Jahren, R: Federico Fellini D: Giulietta Masina, François Périer, Franca Marzi

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