Die Schöne und das Biest (La Belle et la Bête)

Er war Romancier und Essayist, Maler, Zeichner, Theater- und Filmemacher, und er verstand sein Werk ausnahmslos als Poesie. Jean Cocteau verteidigte seine Welt des Wunderbaren, Schemenhaften, Mysteriösen gegen den technischen Wahnwitz unseres Jahrhunderts. Auch wenn sein Kino wie ein Relikt aus einer untergegangenen Ära wirkt, besitzt es nach wie vor hypnotische Kräfte.

Sein surrealistisch beeinflusster Märchenfilm „Die Schöne und das Biest“ entstand 1946 zu einer Zeit, als die Menschen „des sogenannten wirklichen Lebens müde waren“ und sich gern in eine Welt entführen ließen, in der ein als Prinzessin verkleidetes Bauernmädchen (Josette Day) einem in ein Ungeheuer verwandelten Märchenprinzen (Jean Marais) begegnet. Das Ende hat das Publikum überrascht und das Mädchen enttäuscht. Denn als die Bestie aus Kummer darüber stirbt, dass seine große Liebe zu spät in das Schloss zurückkehrt, stellt sich heraus, dass sie tatsächlich das traurige Tier geliebt hat und nicht den eitlen Aristokraten, zu dem es erneut geworden ist. Denn nun bleibt ihr nicht mehr als die Langeweile und das Grauen des Alltags: ein Ehemann und ein paar Hosenmätze.

Nach der Premiere wurde Cocteaus Mythologie von Liebe und Tod einhellig verrissen: Die Kritiker waren der Meinung, dass der Film für Kinder zu anspruchsvoll und für Erwachsene zu infantil sei. Ein paradoxer Fehlschluss.

 

Die Schöne und das Biest Frankreich 1946, 90 Minuten, ab 12 Jahren, R: Jean Cocteau D: Jean Marais, Josette Day, Mila Parely

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