Doktor Schiwago

„Sie liebten einander, weil alles ringsum es wollte: die Erde unter ihren Füßen, der Himmel über ihren Köpfen, die Wolken und die Bäume“, schrieb Boris Pasternak in seinem nobelpreisgekrönten Roman „Doktor Schiwago“. Und auch wir haben nur den einen sehnlichen Wunsch: Dass die beiden Liebenden Jurij und Lara sich in die Arme schließen und gemeinsam glücklich werden können. Doch leider kommt es mal wieder ganz anders. So steht es nicht nur im Buch geschrieben, so hat es auch Regisseur David Lean („Laurence von Arabien“) auf die Leinwand gebracht.

Seine generös ausgestattete Verfilmung erzählt die abenteuerliche Lebensgeschichte des Arztes und Dichters Schiwago (Omar Sharif), der weniger aus Liebe, als aus Dankbarkeit mit Tonja (Geraldine Chaplin), der Tochter seiner Zieheltern, verheiratet ist. An der Front des Ersten Weltkriegs begegnet er der Krankenschwester Lara (Julie Christie) – der Beginn einer unerfüllten Leidenschaft …

Obwohl – im Gegensatz zur Vorlage – das individuelle Schicksal der Protagonisten und nicht die politischen Ereignisse jener Zeit im Mittelpunkt stehen und Pasternaks zentrales Thema – die herausragende Bedeutung des Individuums in der Gesellschaft – in der Fülle der Nebenhandlungen bisweilen verloren geht, ist Leans Adaption schlicht und einfach ein Meisterwerk, mehr noch: ein in Zelluloid gehauenes Monument, das mit viel „russischer Seele“ das Los einer ganzen Nation vom Ersten Weltkrieg über die Oktoberrevolution bis zur Stalin-Ära beschreibt.

Die Dreharbeiten dauerten über drei Jahre und umfassten eines der größten Sets aller Zeiten mit Unmengen von Kunstschnee, Kostümen und Komparsen Da in Moskau Drehverbot herrschte, baute man kurzerhand in Spanien einen kompletten Straßenzug nach. Die Set-Designer heimsten verdient einen der fünf Oscars ein. Ein weiterer ging an Maurice Jarres romantischen (manche sagen auch: kitschigen) Soundtrack mit der Erkennungsmelodie „Lara’s Theme“, die sich immer wieder durch die Handlung schlängelt.

Vor allem aber liebte das Publikum den über drei Stunden langen Film. Und es liebt ihn bis heute. „Doktor Schiwago“ ist mittlerweile der achterfolgreichste Film aller Zeiten.

 

Doktor Schiwago USA 1965, 200 Minuten, ab 12 Jahren, R: David Lean, D: Omar Sharif, Julie Christie, Geraldine Chaplin, Klaus Kinski

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