Ein kurzer Film über das Töten (Krótki film o zabijaniu)

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„Mich hat stets die Frage beschäftigt, wie man die Welt mit filmischen Mitteln darstellen kann, ohne sie zu verfälschen.“ Krzysztof Kieślowski ist bei uns Anfang der 90er Jahre durch die „Drei-Farben“-Trilogie „Blau“ „Weiß“ und „Rot“ bekannt geworden. Das ambitionierteste Projekt des polnischen Filmemachers ist allerdings der zehnteilige „Dekalog“ gewesen, eine Serie von politischen Allegorien, die auf den Zehn Geboten basieren.

Im fünften Teil des Dekalogs – „Ein kurzer Film über das Töten“ – beschreibt er in präzisem, fast dokumentarischen Stil zwei Morde: Der eine barbarisch und in seiner Tollpatschigkeit bestürzend, da es dem Täter einfach nicht gelingen will, sein Opfer zu töten. Ohnmächtig gerät er mal in Wut, mal in Panik, bis er schließlich vor seiner eigenen Tat erschaudert. Der andere mit eisiger Präzision ausgeführt, klinisch und leidenschaftslos, als ob es sich um einen Routinevorgang handeln würde. Auf den Tod durch Strangulierung folgt mit unabwendbarer Konsequenz der Tod durch den Strang, beides gleichermaßen grausam und widersinnig.

Das alles wird ohne jeden Kommentar, ohne psychologische oder soziologische Erklärungsmuster und in erster Linuie visuell geschildert, in schonungsloser Direktheit und mit Erzähltechniken, die eine außergewöhnliche Dichte schaffen.

Kieślowskis eindringliches Plädoyer gegen das Töten – vor allem gegen die Todesstrafe – erhielt 1988 eine Oscar-Nominierung als „Bester fremdsprachiger Film“. 1994 zog sich einer der bedeutendsten europäischen Regisseure für immer aus dem Filmgeschäft zurück. Er starb 1996 im Alter von nur 54 Jahren an einem Herzinfarkt.

 

Ein kurzer Film über das Töten Polen 1987, 85 Minuten, ab 16 Jahren, R: Krzysztof Kieślowski, D: Miroslaw Baka, Krzysztof Globisz, Jan Tesarz

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