Fanny und Alexander

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„Angeblich soll „Fanny und Alexander“ autobiografisch sein und meine Kindheit porträtieren. Der zwölfjährige Alexander – so heißt es – sei mein alter ego. Das ist nicht ganz richtig“. Auch wenn Ingmar Bergman immer wieder darauf hingewiesen hat, dass in „Fanny und Alexander“ „Ähnlichkeiten mit noch lebenden Personen rein zufällig und nicht beabsichtigt seien“, hat der schwedische Meisterregisseur natürlich auch in seiner großen Abschiedsvorstellung unzählige glückliche und angstvolle Momente seiner Kindheit verarbeitet.

Er erzählt darin die Geschichte einer schwedischen Theaterdynastie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Nach dem Tod des rührigen Prinzipals steht dessen Gattin Emilie mit ihren Kindern Fanny und Alexander vor dem Nichts. Doch schon während der Beerdigung kündigt sich an, dass sie binnen kurzem einen neuen Gemahl finden wird: Bischof Vergerus. Für die Kinder – und auch für Emilie – beginnt eine Schreckenszeit im Hause des strengen Gottesdieners. Am Ende können sie vom alten Juden Isaak, einem Freund der Familie, entführt und gerettet werden.

Bergmann, für den „Fanny und Alexander“ offenkundig eine Liebeserklärung an das Leben und gleichermaßen die Summe seines künstlerischen Lebens gewesen ist,   bezeichnete die episch ausgebreitete Szenenfolge als einen „großen Gobelin mit einer Menge Menschen, Farben, Häusern, Wäldern, geheimnisvollen Verstecken und nächtlichen Himmeln – alles vielleicht ein wenig romantisch, aber nur soviel, dass man es noch aushalten kann.“ Über drei Stunden – in der Fernsehfassung sogar über fünf Stunden – nahm er sich Zeit, die Chronik einer großbürgerlichen Familie, die gut seine eigene sein könnte, auszubreiten und ganz nebenbei seiner alten Leidenschaft für religiöse und metaphysische Fragestellungen zu frönen. Bemerkenswert ist, dass der Film aus der Perspektive eines Kindes erzählt wird. Das hatte es bei Bergman noch nicht gegeben.

Übrigens: „Fanny und Alexander“ – mit 7,5 Millionen Dollar einer der teuersten schwedischen Filme aller Zeiten – wurde nicht nur mit dem Oscar für den „besten fremdsprachigen Film“ ausgezeichnet, sondern – was für einen nicht-amerikanischen Film eine absolute Seltenheit ist – mit drei weiteren „normalen“ Oscars.

 

Fanny und Alexander Schweden, BRD, Frankreich 1982, 187 Minuten, ab 16 Jahren, R: Ingmar Bergman, D: Ewa Fröling, Bertil Guve, Jarl Kulle

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=IkszXVEUHco

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