Ghost Dog

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Jim Jarmuschs kleine Burlesken spielen abseits des American Way of Life und erzählen von Menschen, die ganz augenscheinlich aus der Welt gefallen sind. Der Held in „Ghost Dog“ etwa lebt in einem Bretterverschlag auf dem Dach eines Hochhauses. Hier hat er alles, was er braucht, um ungestört seiner Arbeit als Profikiller nachgehen zu können: ein paar Brieftauben, einen japanischen Altar mit Räucherstäbchen und das „Hagakure“, die Jahrhunderte alte Schrift eines Samurais. Als er nach einem verpatzten Auftrag auf die Abschussliste des lokalen Mafiaclans gerät, begibt sich der trübsinnige Großstadt-Krieger auf einen blutigen Rachefeldzug.

„Es gibt keine größere Einsamkeit als die des Samurai, es sei denn die des Tigers im Dschungel“ hat Jean-Pierre Melville 1967 seinem Thriller „Der eiskalte Engel“ vorangestellt, einem Film über den Kult der Tat, über die Mystik vollkommenen Handelns. „Ghost Dog“ ist mehr als eine augenzwinkernde Variation dieses Klassikers, Jarmush fügt ihm zahlreiche brillante Ideen und Szenen hinzu: Während der eiskalte Engel der 60er noch Alain Delons engelsgleiches Gesicht und einen Trenchcoat hatte, zeigt er sich in den 90ern von ganz anderem Format: Schwarz, beleibt, mit hängendem Augenlid und in Sportswear. Bei Melville waren es Sittiche, die den Helden begleiteten. Jarmusch wählte urbanere Vögel: Tauben. Auch hat man Seelenverwandtschaft nie so komisch in Szene gesetzt gesehen, wie in der Freundschaft zwischen dem Killer und dem französisch sprechenden Eisverkäufer.

Alles in allem verbindet „Ghost Dog“ poetische Meditationen mit knallhartem Realismus, Witz mit Wehmut und Alltagsbanalitäten mit fernöstliche Philosophie.

Das Ergebnis ist ein intelligenter Gangsterfilm mit dem großartigen Rap-Soundtrack von RZA, Mitglied der US-HipHop-Stars Wu-Tang Clan. „Musik ist für mich die wunderbarste Form des Ausdrucks“, sagt Jim Jarmusch. „Ich wusste, dass die Musik von RZA sein sollte, bevor ich die Story geschrieben hatte.“

 

Ghost Dog USA 1999, 116 Minuten, ab 16 Jahren, R: Jim Jarmusch, D: Forest Whitaker, Isaach de Bankolé, John Tormey, Camille Winbush

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=XsdySN7peZM

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