Goya

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„Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war fast in ganz Westeuropa das Mittelalter ausgetilgt. Auf der iberischen Halbinsel dauerte es fort.“ So beginnt Lion Feuchtwangers biografischer Roman über den spanischen Maler Francisco José de Goya, dem der Aufstieg vom armen Bauernsohn zum gefeierten Hofmaler Carlos’ IV gelang und der als enttäuschter Moralist endete.

Goya, der stets den gefälligen Rokokostil gepflegt hatte und dafür am spanischen Hofe gehätschelt worden war, provozierte einen Skandal, als er sich in die Herzogin von Alba verliebte. Für ihr Portrait „Die nackte Maya“ musste er sich vor der Inquisition verantworten. Er erkannte jetzt, daß Krone und Kirche die Freiheit unterdrückten und begann die gesellschaftlichen Verhältnisse mit seinen Arbeiten zu kritisieren, etwa mit „Desastres de la guerra“ oder „Die Erschießung der Aufständischen vom 3. Mai 1808“. Dafür nahm er Armut und Verfolgung auf sich. 1824 emigrierte er nach Bordeaux, wo er 1828 starb.

„Es war vor allem das Schicksal seines Landes, das ihn, im Grunde sehr gegen seinen Willen, in die Politik trieb“, heißt es bei Feuchtwanger. „Er hatte die Augen schließen wollen vor der brutalen Willkür des absoluten Königtums und vor dem wüsten, machtgierigen, fanatischen Walten der Inquisition, die sich auf Gott berief. Der Glaube an das Gottesgnadentum des Königs stak tief in ihm, und es bedurfte gewaltiger Stöße, seine reiche und tiefe Intelligenz zu wecken und sie zum Widerstand gegen diese Mächte zu stacheln“.

Der DEFA-Regisseur Konrad Wolf („Ich war 19“, „Solo Sunny“), dessen Bruder Markus später als DDR-Geheimdienstchef Karriere machen sollte, hat den Roman 1971 mit viel Einfühlungsvermögen und psychologischem Gespür für die Leinwand adaptiert. Vor der lebendigen Kulisse Spaniens im 18. Jahrhundert taucht der Zuschauer ein in die Abgründe einer vergangenen Epoche und erforscht die facettenreiche Figur eines Künstlers zwischen Genie und Wahnsinn. Ein üppiges Fest für Augen und Ohren.

 

Goya DDR/UdSSR 1969/1970, 134 Minuten, ab 6 Jahren, R: Konrad Wolf, D: Donatas Banionis, Fred Düren, Olivera Katerina

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