2001 – Odyssee im Weltraum (2001: A Space Odyssey)

„Stanley Kubrick hat ein Kino hinterlassen, das nicht nur unsere Welt abbilden, verbessern und kritisieren kann, unser Leben feiern oder betrauern, sondern das dorthin gelangen wollte, wo noch niemand war.“ Was der Filmkritiker Georg Seeßlen über das Lebenswerk des begnadeten Regisseurs geschrieben hat, gilt ganz ohne Frage auch für „2001 – Odyssee im Weltraum“, den wahrscheinlich ersten „erwachsenen“ Science-fiction der Filmgeschichte.

Er zeigt, wie sich die Kinderstube des Spielzeugs verselbständigt hat, Spielzeuge zu Werkzeugen mutiert sind und die immer als technische Utopie erträumte Welt perfekt und ausgeträumt ist. Gleich zu Beginn erleben wir einen entscheidenden Schritt in der Evolution, die überraschende Erkenntnis der Menschenaffen, sich Gegenstände zunutze machen, sie sogar als Waffe gebrauchen zu können. Dann folgt der unvergessliche Montageeinfall, als ein in die Luft geschleuderter Knochen in ein Raumschiff übergeht, das zu Walzerklängen durchs All schwoft. Bald wird ein geheimnisvoller Monolith entdeckt und eine Expedition macht sich auf zum Jupiter, um das Rätsel zu lösen. Die Reise wird überwacht vom Bordcomputer HAL (eine Abkürzung, die auf das Wort Hell verweist; geht man bei jedem Buchstaben einen weiter im Alphabet ergibt sich zudem IBM). Er, der Inbegriff von Technik, ist der einzige, der menschliche Gefühle zeigt, der die Sprache auch in ihrer Intimität noch nicht verlernt hat. Vielleicht spielt er deshalb irgendwann verrückt und tötet fast die gesamte Besatzung. Am Ende wird er entmachtet und regelrecht entmannt: Man zieht ihm Stecker für Stecker heraus, die man einst in ihn hineingesteckt hat. Und je mehr man ihm seine Rationalität nimmt, um so mehr gibt er seine frühesten Lektionen preis: Er trällert zuletzt ein Kinderlied und verrät damit, dass er einmal ein Spielzeug war.

Nur der Astronaut Bowman kommt davon und erfährt eine kosmische Wiedergeburt, eine Sequenz, die jeden Vergleich mit den tricktechnischen Mätzchen heutiger Weltraummärchen mühelos standhält.

 

2001 – Odyssee im Weltraum  GB/USA 1968, 149 Minuten, ab 12 Jahren, R: Stanley Kubrick D: Keir Dullea, Gary Lockwood, William Sylvester

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