Die fabelhafte Welt der Amélie (Le fabuleux destin d’Amélie Poulain)

Es gibt Filme, die anders sind als alles, was sonst im Kino zu sehen ist. Filme, die sich nicht vereinnahmen lassen, die jeder Konvention, jedem modischen Trend und jedem Genre widerstehen und die auf wundersame Weise aus der Zeit gefallen scheinen. Filme wie „Die fabelhafte Welt der Amélie“.

Amélie Poulain scheint nicht von dieser Welt zu sein. Sie lebt in ihrer eigenen Welt, einer Welt aus leisen Tönen, bezaubernden Gesten und magischen Momente. Amélie hat zwar den Kopf in den Wolken, steht aber mit beiden Beinen voll im Leben. Wahrscheinlich hält sie ihr Job im Hier und Jetzt fest: Sie arbeitet in einem Bistro in Montmartre, in dem abgebrannte Künster, invalide Akrobaten und missgünstige Liebhaber ein und aus gehen. Jeder von ihnen trägt schwer an seinem Los, während Amélie, die feenhafte Kellnerin mit dem schelmischen Lächeln, nicht nur Speis und Trank, sondern auch ihr großes Herz serviert.

Amélie ist eine Träumerin, hat aber einen wachen Blick. Als sie eines schönen Tages beginnt, ihre Nase in die Angelegenheiten anderer Leute zu stecken, weiß sie genau, was zu tun ist: Sie versetzt erwachsene Männer in ihre Kindheit zurück, sie verhilft einem Gartenzwerg zu einer Weltreise, sie zaubert unauffindbare Liebesbriefe hervor, sie wird Schutz- und Racheengel zugleich. Als sie jedoch ihrem Traummann Nino begegnet, hat sie keinen blassen Schimmer, wie sie selbst das Glück finden kann.

Jean-Pierre Jeunets („Delicatessen“) ideenreicher, opulent ausgestatteter Märchenfilm zeigt uns Paris, wie es weint und lacht. Die Hauptrolle wollte der Regisseur zunächst mit Emily Watson besetzen. Ja, das wäre schon eine ausgezeichnete Wahl gewesen. Auch Juliette Binoche hätte Amélie sehr gut spielen können. Doch Audrey Tautou ist die ideale Schauspielerin für diese wunderbare Rolle, weil sie mit leisen Gesten intensive Gefühle ausdrückt, mit ihren großen staunenden Augen, in denen sich die Welt so spiegelt, wie wir sie uns erträumen. Und dank Yann Tiersens genialem Soundtrack klingt sie auch so.

 

Die fabelhafte Welt der Amélie Frankreich 2001, 120 Minuten, ab 6 Jahren, R: Jean-Pierre Jeunet, D: Audrey Tautou, Mathieu Kassovitz, Rufus, Dominique Pinon

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s