Manche mögen’s heiß (Some Like It Hot)

Jack Lemmon erinnert sich gut, wie Billy Wilder ihn für die Rolle des Jerry in „Manche mögen’s heiß“ engagiert hat. Lemmon saß gerade mit seiner Frau in einem Restaurant in Hollywood, als der berühmte Regisseur vorbei kam und fragte, „ob er sich für eine Minute zu ihnen setzen dürfe“. „Ich hab da eine Geschichte“, sagte Wilder, „über zwei Jungs, die Zeugen vom St.-Valentins-Tag-Massaker werden. Es sind arbeitslose Musiker, und weil die Mörder sie gesehen haben, müssen sie untertauchen und sich verstecken. Sie haben kein Geld, verkleiden sich als Frauen und steigen in die Damenkapelle „Sweet Sue’s Society Syncopaters“ ein. Mehr als Dreiviertel des Films tragen sie Fummel. Wollen sie das spielen?“ Lemmon bejahte. „Okay“, sagte Wilder und stand auf. „Ich melde mich…“

So rettet man sich also vor fiesen Killern, denen man unfreiwillig bei ihrer Arbeit zugeschaut hat. Man zwängt sich in Mieder und macht Musik. Und wie rettet man sich vor der betörenden Sugar Kane, die von Marilyn Monroe gespielt wird? Überhaupt nicht. Aus einer eher simplen Verkleidungskomödie entwickelt sich ein Gangster-, ein Musiker-, ein Frauenfilm, eine hinreißende Liebesgeschichte über gleichgeschlechtliche Liebe und über angebliche Potenzprobleme eines angeblichen Yachtbesitzers. Durch eine kluge Gliederung der Einfälle, die hier ausufern dürfen, ohne dass Thema und Struktur auseinander gerissen werden und durch die Gegenüberstellung von Gegensätzen – etwa männlich und weiblich, Mafiosi und Musiker, Chicago und Miami, Traum und Albtraum, Liebe und Tod – bezieht der Film sein schwindelerregendes Tempo, seine Kraft, Klarheit und Spannung.

In „Manche mögen’s heiß“ hat Wilder zum ersten Mal mit Jack Lemmon zusammengearbeitet. Viele andere gemeinsame Filme sollten folgen: „Das Appartement“, „Der Glückspilz“ oder „Avanti!“. Ohne die Brillanz von Marilyn Monroe oder Tony Curtis abzuwerten, ist Lemmons Daphne das Wunder des Films: eine Travestiedarstellung voll Wagemut, Witz und Würde.

 

Manche mögen’s heiß USA 1959, 120 Minuten, ab 16 Jahren, R: Billy Wilder, D: Marilyn Monroe, Jack Lemmon, Tony Curtis, Joe E. Brown

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