Niki de Saint Phalle

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„Ein richtiger Künstler muß heute ein Monster sein und die richtige Mischung von Provokation und Faszination beherrschen“, sagt Peter Schamoni, Autor und Regisseur der Dokumentation „Niki de Saint Phalle: Wer ist das Monster – Du oder ich?“.

Die franco-amerikanische Künstlerin provozierte und faszinierte gleichermaßen, als sie 1966 im „Moderna Museet“ von Stockholm die berühmteste ihrer vielen „Nanas“ aufstellte, „die größte Hure der Welt“, wie sie die fröhlich-bunte Skulptur liebevoll nannte. Sechs Tonnen schwer, 27 Meter lang und zwischen den Schenkeln ein gewaltiges Loch, durch das über 100.000 Besucher in sie eindrangen. Das Innere der prallbusigen Mega-Frau sollte auf Wunsch der Bildhauerin und Malerin als Bar, Bibliothek, Bordell oder Kapelle genutzt werden. Die „Nanas“ brachten Niki de Saint Phalle nicht nur Ruhm und Reichtum, sie kosteten ihr auch die Gesundheit: über Jahre hinweg atmete sie bei der Arbeit mit verschiedenen Kunststoffen giftige Dämpfe ein und litt bis zu ihrem Tod 2001 an einem heimtückischen Emphysem.

Höhepunkt des Dokumentarfilms ist ohne Zweifel die Eröffnung des Tarot-Gartens in der Toskana. Zwischen 1979 und 1994 entstanden dort mehr als zwanzig gigantische Skulpturen, die die Großen Arkana symbolisieren sollen, jene Tarotkarten, die für die universalen Prinzipien des Lebens stehen. Regisseur Schamoni entführt mit seinem beeindruckenden Porträt in diese verzauberte Welt, ohne sich selbst durch wichtigtuerische Interpretationen hervorzutun. Wen es zwischen den berauschenden Bildern und jazzigen oder klassischen Rhythmen zu entdecken gilt, ist eine Künstlerin, die gemeinsam mit ihrem kreativen Weg- und Lebensgefährten Jean Tinguely das heutige Kunstverständnis entscheidend geprägt hat. So macht der Film, für den Schamoni den Bayerischen Filmpreis erhielt, auf geradezu sinnliche Weise Lust, sich mit Saint Phalles fantasievoll-poetischer Kunst auseinanderzusetzen.

 

Niki de Saint Phalle Deutschland 1995, 93 Minuten, ohne Altersbeschränkung, R: Peter Schamoni, D: Niki de Saint-Phalle, Jean Tinguely

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