Tampopo

tampopo

„Ich will Leute in Situationen beschreiben, in denen Eros und Essen so klar nicht getrennt sind“, hat Juzo Itami über seine Satire „Tampopo“ gesagt.

Die junge Tampopo erbt in Tokio eine Suppenküche, kann aber gar nicht kochen. Eines Tages taucht ein japanischer Cowboy auf, der Trucker Goro, der ihren Traum, die beste Nudelsuppe der Stadt zu kochen, postwendend wahr werden lässt. Ob Nudelsuppe pur oder Nudelsuppe Wan Tan, ob Nudelsuppe mit Gemüse oder Nudelsuppe mit Schwein, Huhn oder Fisch; „Tampopo“ ist eine einzige Liebeserklärung an die japanische Küche. Kaum eine Szene, in der nicht gebrutzelt oder gebraten, gedünstet oder geschmort wird, in der nicht Rezepte getauscht oder getestet werden. Kaum eine Szene, in der nicht ein gefüllter Teller dekorativ ins Bild geschoben wird, in der nicht über die Zubereitung kulinarischer Köstlichkeiten oder richtige Tischmanieren debattiert wird.

Parallel zur Rahmenhandlung erzählt der japanische Regisseur allerhand kleine Geschichten: Über ein Gangsterpaar, das Sex nur beim Essen schätzt oder eine betagte Dame, die einen Gemüsehändler schikaniert. Sein Plädoyer für eine selbstbewusste, emanzipierte Japanerin geht allerding etwas unter, die Szene nämlich, in der eine sterbenskranke Frau von ihrem Gatten angebellt wird: „Du musst irgendetwas machen. Geh und mach das Abendessen!“. Und die sich dann hochschraubt und zur Überraschung ihrer Kinder und des Pflegepersonals in die Küche tippelt, um zum allerletzten Mal ihre Pflicht am Herd zu tun.

Itamis Meisterwerk, das spielerisch Speisekammer und Schlafzimmer vereint, und dabei die japanische Wirklichkeit mit all ihren sonderbaren Regeln und Ritualen beleuchtet, kann es durchaus mit Ferreris „Das große Fressen“ oder Greenaways „Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber“ aufnehmen.

 

Tampopo Japan 1986, 109 Minuten, ab 16 Jahren, R: Juzo Itami, D: Tsutomu Yamazaki, Nobuko Miyamoto, Fukumi Kuroda, Ken Watanabe

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