Ehekomödie (That Uncertain Feeling)

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„Ein mittelmäßiger Regisseur“, erklärte Billy Wilder in einem Interview, „sagt dem Publikum: ‚Zwei und zwei ist vier.’ Ernst Lubitsch hat nur gesagt: ‚Zwei und zwei … ?’, und das Publikum musste selbst zusammenzählen: ‚Aha, vier!’“ Ein besonders gelungenes Beispiel für den legendären Lubitsch-Touch findet sich in „The Merry Widow“: Wir sehen ein Schloss, dann ein Schlafzimmer. Während die Königin noch im Bett liegt, zieht sich der König an, küsst seine Frau und geht hinaus. Draußen vor der Tür steht ein junger Wachposten und salutiert. Als der König um die Ecke verschwunden ist, schleicht die Wache hinein zur Königin. Er macht die Tür zu, wir sehen nichts, nur die Tür von außen. Jetzt wieder der König: Auf der Treppe bemerkt er, dass er seinen Säbel vergessen hat. Er dreht sich also um und geht zurück. Gespannt warten wir auf den Knall, den es dort geben wird. Der König macht die Tür auf, geht hinein, macht die Tür zu. Wir sind wieder draußen und stellen uns vor, was jetzt im Zimmer passiert. Da öffnet sich die Tür wieder. Der König kommt heraus, seinen Säbel in der Hand, er lächelt. Nichts gemerkt, kein Knall. Im Weggehen will er den Säbel umschnallen – doch der Gürtel ist viel zu eng, es ist gar nicht seiner! Jetzt erst durchschaut er die Situation, geht zurück und entdeckt den Wachmann unter dem Ehebett.

Lubitschs Genie blitzt auch in „Ehekomödie“ immer wieder auf, einer eher trivialen Posse, die sich aber in der eleganten und witzigen Bearbeitung des Regisseurs zu einer geistreichen Komödie mauserte.

Die Ehe von Jill und Larry ist aufgrund von Larrys dominantem Charakter nicht mehr nur eitel Sonnenschein. Eines Tages lernt Jill den Pianisten Sebastian kennen, der zwar in seinem Leben nichts auf die Reihe kriegt, doch bestens geeignet ist, um im geliebten Gatten das „ungewisse Gefühl“ ( der Film heißt im Original „That Uncertain Feeling“) zu wecken. Was sich Larry alles einfallen lässt, um seine Frau zurückzuerobern, ist unglaublich witzig und durchaus inspirierend.

 

Ehekomödie (That Uncertain Feeling) USA 1941, 83 Minuten, ab 12 Jahren, R: Ernst Lubitsch, D: Merle Oberon, Melvyn Douglas, Burgess Meredith

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