Orlando

orlando_tilda_swinton_sally_potter_010_jpg_wdwyAls wäre es das Natürlichste der Welt, erwacht der im 16. Jahrhundert geborene Aristokrat Orlando Anfang des 18. Jahrhunderts aus tiefem Schlaf – als Frau. Nachdem sie sich ausgiebig im Spiegel betrachtet hat, dreht sie sich zur Kamera und sagt: „Dieselbe Person. Überhaupt kein Unterschied. Nur ein anderes Geschlecht“.

Orlandos Biographie beginnt mit seinem Aufenthalt am Hofe Elisabeth I., die ihm einen Landsitz vermacht. Einzige Bedingung: Orlando dürfe nicht altern. So durchlebt der feminin wirkende Edelmann die folgenden Jahrhunderte, wird in der Liebe zu der schönen Russin Sasha schwer enttäuscht, flüchtet sich seelenwund in die Poesie, wird englischer Gesandter im Osmanischen Reich, um sein Leben im Körper einer Frau fortzusetzen, die schließlich – mehr als 400 Jahre alt – in der Gegenwart des Jahres 1992 ankommt, um ihrem Verleger einen neuen Roman vorzulegen. Doch Orlando bleibt einsam, ohne Liebe, ohne Freunde und sehnt sich nach Sterblichkeit.

Aus Virginia Woolfs 1928 veröffentlichten fantastischen Roman „Orlando. A Biography“, einem tiefgründigen und ideenreichen Werk mit Anspielungen auf das Leben ihrer Freundin Vita Sackville-West, gestaltet die Regisseurin, Schriftstellerin und Performancekünstlerin Sally Potter einen opulent ausgestatteten, wunderbaren Kinofilm mit episodenhafter Struktur. Die Bilder sind von außergewöhnlicher Erhabenheit, auch wenn sie bisweilen etwas distanziert wirken, so als wolle Potter allzu sentimentalen Reaktionen der Zuschauer vorbeugen.

Tilda Swinton ist schlechterdings die Idealbesetzung der androgynen Titelrolle.

 

Orlando GB 1992, 94 Minuten, ab 12 Jahren, R: Sally Potter, D: Tilda Swinton, Billy Zane, Charlotte Valandrey, Quentin Crisp

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