Kalina Krassnaja – Roter Holunder

Überschäumende Lebenslust oder abgrundtiefe Melancholie: Die großen Gefühle der kleinen Leute hat fast jeder sowjetische Regisseur von Rang in seinen Filmen zum Thema gemacht. Wassili Makarowitsch Schukschin, an der Moskauer Filmhochschule Kommilitone des berühmten Andrej Tarkowski („Solaris“), ist da natürlich keine Ausnahme.

„Kalina Krassnaja“ („Roter Holunder“), seine wohl bekannteste Regiearbeit, erzählt die Lebensgeschichte von Jegor Prokudin, der aus dem Gefängnis entlassen wird und nun in der Provinz zu einem normalen Leben zurückfinden will. Ljuba, mit der er in der Haft eine Brieffreundschaft pflegte, hilft ihn dabei und bringt ihn im Haus ihrer Familie unter. Als ihn seine ehemaligen Komplizen dazu bewegen wollen, wieder gemeinsame Sache mit ihnen zu machen, lehnt er ab. Es kommt zu einem heftigen Streit, in dessen Verlauf Jegor stirbt. Ljubas Bruder rächt ihn, indem er die Gangster mit ihrem Auto in einen Fluss stürzen lässt.

„Wir sehen einen gebrochenen, kontrastreichen Charakter mit psychologischen Diskrepanzen und erschreckenden Wandlungen“, hat Regisseur Schukschin über seinen Helden gesagt. Das eindringliche Plädoyer für die Resozialisierung Straffälliger war nicht nur stilprägend für den sowjetischen Film der 70er, angeblich soll es auch der Lieblingsfilm Rainer Werner Fassbinders gewesen sein, der sich durch diese „Franz Biberkopf“-Variation zu seiner Verfilmung von Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“ hat inspirieren lassen.

 

Kalina Krassnaja UdSSR 1974, 108 Minuten, ab 12 Jahren, R: Wassili Schukschin, D: Wassili Schukschin, Lydia Fedossejewa-Schukschina, Marija Skworzowa

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