Sein oder Nichtsein

sein Darf man über Hitler lachen? Darf man über den Holocaust eine Komödie drehen? Wenn es um die zwölf schrecklichsten Jahre unserer Geschichte geht, geben üblicherweise die Tabuwächter den Ton an. Wer etwas über den Faschismus kundtut, hat gefälligst seine Abscheu und Entrüstung hervorzuheben. Komik oder Ironie wie etwa in „Das Leben ist schön“ oder „Zug des Lebens“ passen nicht in dieses System aus Ignoranz und Heuchelei. Dem aus Berlin emigrierten Juden Ernst Lubitsch ist mit seiner grandiosen Film-Groteske bereits 1942 das scheinbar Unmögliche gelungen.

Warschau 1939: In einem Theater proben die Schauspieler ein Anti-Nazi-Stück. Die Regierung will die Deutschen nicht provozieren und verbietet daher die Aufführung. Als die Wehrmacht Polen überfällt, gehen die Schauspieler in den Untergrund. Ihre Kostüme sind dabei sehr nützlich, denn als die Besatzer der Widerstandsgruppe auf die Spur kommen, stoßen sie auf ein perfekt inszeniertes Gestapo-Hauptquartier. Während Hitlers Besuch in Warschau gelingt es dem Ensemble schließlich, dessen Flugzeug zu kapern und nach London zu entkommen.

Wie so oft bei Lubitsch spielen Türen, hinter denen allerhand unliebsame Überraschungen lauern, eine Hauptrolle. So hält man permanent den Atem an, bricht angesichts der Spannung in schallendes Gelächter aus, erschrickt über neue absurde Entwicklungen und wird abermals getäuscht.

Kein anderer Lubitsch-Film wurde so kritisch aufgenommen wie „Sein oder Nichtsein“. Je mehr damals über die deutsche Tyrannei bekannt wurde, desto reservierter reagierte die Öffentlichkeit. Und so schaffte die bitterböse Komödie leider erst viele Jahre nach der Premiere den schwierigen Spagat: Komisch zu sein und am Ende doch ernst genommen zu werden.

Sein oder Nichtsein USA 1942, 98 Minuten, ab 12 Jahren, R: Ernst Lubitsch, D: Carole Lombard, Jack Benny, Robert Stack

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