Tausendschönchen – kein Märchen

„Hauptsache, man amüsiert sich“, heißt die Maxime von Marie I und Marie II, zweier gelangweilter Material-Girls, die grundsätzlich nur das tun, was ihnen Spaß macht.

Ältere, gutsituierte Männer nehmen sie aus wie Weihnachtsgänse, den jüngeren rauben sie mit ihrer erotischen Ausstrahlung erst den Verstand, um ihnen anschließend eine lange Nase zu zeigen. Die Welt ist verdorben, finden sie, daher beschließen sie, genauso verdorben zu sein. Zum Schluss, nach dem großen Fressen, entläd sich ihr Hedonismus in einer ansehnlichen Zerstörungsorgie. Ihr Glück finden die beiden Maries dabei allerdings nicht.

„Tausendschönchen“, der wichtigste Film der tschechischen Regisseurin Vera Chytilová, die sich unbeirrt für die Entfaltung der Persönlichkeit und gegen jede Form von Intoleranz und Spießertum eingesetzt hat, entstand zur Zeit des „Prager Frühlings“. Formal besticht ihre grotesk-bizarre Komödie durch die Kombination von Farb- und Schwarzweiß-Material, Slapstick-Sequenzen und diverser Filmtricks – Stilmittel, die der Ästhetik des Sozialistischen Realismus’ vollkommen widersprachen. Kein Wunder, dass der Film nach dem Einmarsch der sowjetischen Truppen verboten und Vera Chytilová vom Barrandov-Studio entlassen wurde.

„Tausendschönchen“ hat heute – auch über Cineasten-Kreise hinaus – regelrecht Kult-Status erlangt.

 

Tausendschönchen – kein Märchen CSSR 1966, 76 Minuten, ab 16 Jahren, R: Vera Chytilová, D: Ivava Karbanová, Jitka Cerhová, Julius Albert

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