Hellzapoppin (Hellzapoppin – In der Hölle ist der Teufel los)

HELLZAPOPPIn

Die Verfilmung des langjährigen Broadwayerfolgs von Ole Olsen und Chic Johnson war 1941 eine Sensation: Seit den frühen Filmen der Marx Brothers hatte es nicht annähernd so herrlich Exzentrisches, keinen ähnlichen, fast surrealistischen Humor gegeben. Das Komiker-Duo machte höchst einfallsreich Gebrauch von den Trickmöglichkeiten des Films, etwa in einem Bildstrichgag, in dem ihre Füße die obere Hälfte des Bildes einnahmen, während ihre Köpfe in der unteren Bildhälfte dem dilettantischen Vorführer den Marsch bliesen.

Eine richtige Handlung hat der Film – soweit man das als Zuschauer beurteilen kann – nicht. Es geht wohl um eine Bühnenshow, die dem Nachwuchsautor Jeff den Durchbruch verschaffen soll, damit er endlich seine wohlhabende Freundin heiraten kann.

Wichtiger ist allemal das Feuerwerk an zumeist sinnfreien Dialogen und zahllosen Running-Gags sowie das äußerst spielfreudige Ensemble. Hugh Herbert stößt mit Kopf und Zunge an Gegenstände und Worte, Mischa Auer, dem selbst die Bitte nach einem Stück Brot Probleme bereitet, ist einfach köstlich, und vor allem die voluminöse Martha Raye zeigt sich in Höchstform: Ihre emphatische Interpretation von „Watch the Birdie“ ist ein Höhepunkt des Films. Doch auch die anderen Songs – „What Kind Of Love Is This?“, „Heaven For Two“ oder „Putting On The Dog“ – und die dazugehörigen Tanzeinlagen sind grandios.

Olsen und Johnson konnten den Erfolg ihrer genialen Slapstick-Komödie nie mehr wiederholen; der Nachfolger „Crazy House“ (1944) war vergleichsweise bieder, und sie verschwanden bald von der Bühne.

 

Hellzapoppin – In der Hölle ist der Teufel los USA 1941, 83 Minuten, ab 12 Jahren, R: Henry C. Potter; D: Ole Olsen, Chic Johnson, Martha Raye, Hugh Herbert

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Eine kurze Geschichte der Zeit

Seit Jahrtausenden zerbrechen sich Menschen den Kopf über Gott und die Welt: Wie ist das Universum entstanden? Welchen Platz nehmen wir in ihm ein? Woher kommt es und woher kommen wir?

In seinem Bestseller „Eine kurze Geschichte der Zeit“ vermittelt der unter amytropher Lateralsklerose (ALS) leidende britische Physiker Stephen Hawking auf leicht verständliche Weise und ohne mathematische Formeln Theorien der Kosmologie. Er erläutert die Entwicklung des physikalischen Weltbildes und sucht – ausgehend von der Relativitätstheorie und der Quantenmechanik – nach Antworten auf die gestellten Fragen.

Errol Morris („The Fog of War“) drehte auf der Grundlage des Buches seinen mehrfach preisgekrönten Dokumentarfilm, der in einer Mischung aus Fakten und Anekdoten einem unterhaltsamen, bisweilen humoristischen Strukturprinzip folgt. Aus Interviews mit Hawking, seiner Familie, seinen Freunden und Kollegen schuf der Regisseur ein mitreißendes Porträt des Genies im Rollstuhl, der sich seit vielen Jahren nur noch mithilfe einer Computerstimme verständlich machen kann. Zu der Musik von Philip Glass entstand eine atemberaubende Dokumentation, die Hawkings bahnbrechende Theorien ebenso anschaulich wie verständlich in animierte Sequenzen umsetzt.

 

Eine kurze Geschichte der Zeit England 1991, 80 Minuten, ab 6 Jahren, R: Errol Morris; D: Stephen Hawking

Mulholland Drive

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Die Filme von David Lynch beginnen da, wo das Mainstream-Kino aufhört. Sie stoßen in unbekannte Territorien vor, erforschen die Schattenreiche der Instinkte und Verbote und kehren die Verhältnisse des Vertrauten um: Das Natürliche wird unnatürlich, das Heimliche unheimlich, die Ordnung gerät zur Konfusion. „Ich liebe es, die verborgenen Dinge, die unser Innerstes erschaudern lassen, ans Tageslicht zu bringen“, sagt der exzentrische Regisseur, der die geschönten Glücksbilder einer Wunschwelt stets in Frage gestellt hat. In seinen Filmen erscheint Wärme als Kälte, Geborgenheit als Einengung, Harmonie als Tarnung von Verbrechen, Gewalt, Sünde. „Mulholland Drive“, der Anfang dieses Jahres im Kino lief und jetzt auf DVD und Video zu haben ist, macht da keine Ausnahme.

Eine rätselhafte Schönheit (Laura Elena Harring), die nach einem schauerlichen Unfall das Gedächtnis verloren hat, begegnet zufällig der naiven Betty (Naomi Watts), die so gerne ein Hollywood-Star wäre. Während sich die beiden Frauen auf die Suche nach einer kompletten Biografie machen – und sich dabei ziemlich nahe kommen –, lernen wir in den Subplots zwei weitere schräge Figuren kennen: einen Regisseur (Justin Theroux), der von der Mafia gejagt wird, und einen Auftragskiller, der beinahe seinen Job vermurkst. Die Lösung aller Rätsel könnte ein Mann im Hintergrund haben, der sich selbst nur „Cowboy“ nennt, oder aber der geheimnisvolle Rollstuhlfahrer, der die Macht über verbotene Räume und Träume zu besitzen scheint. Doch wo immer sich die Wahrheit auch verbirgt – sie ist nicht von dieser Welt. Eventuell.

Auch wenn er seinem Gesamtwerk nichts wirklich Neues hinzugefügt hat: Lynch ist mit „Mulholland Drive“ ein handwerklich perfekter, höchst origineller Film gelungen, der mit zahlreichen Mythen unserer Zeit lustvoll spielt. Und wie immer überlässt es der Regisseur dem Zuschauer selbst, sein surreales Thriller-Labyrinth zu ergründen.

Auf Wiedersehen Amerika

auf wiedersehen

„Man muss die Zuschauer nicht immer mit einem bombastischen Feuerwerk niederschmettern“, sagt Regisseur Jan Schütte (Drachenfutter“, „Fette Welt“). „Man kann auch mit sehr kleinen, elliptischen Erzählformen arbeiten, ohne dabei auf die Gefühle für die Figuren zu verzichten. Mit solch kleinen Momenten lässt sich eine viel intensivere Stimmung erreichen als mit dieser gigantischen Gefühlssauce.“

Schütte, der Mann der leisen Töne, erzählt in seiner liebenswerten Tragikomödie „Auf Wiedersehen Amerika“ die Geschichte einer ungewöhnlichen Reise. Nach über 30 Jahren sagt Moshe New York ade und macht sich samt Frau Genovefa und Freund Isaak per Schiff auf nach Polen, seiner ehemaligen Heimat. Sie stranden in Deutschland, feiern Weihnachten in einem Berliner Obdachlosenheim und landen schließlich doch in Polen. Aber auch dort ist alles ganz anders, als es früher einmal war.

Schüttes Erzählweise ist voller Unebenheiten und Brüche. Lakonisch und fern aller Zielstrebigkeit entwickelt er die Geschichte als pikareskes Abenteuer, das aus dem verzweifelten Bemühen seiner grauhaarigen Helden entsteht, sich durch das Chaos dieser Tage zu mogeln. Schüttes Bilder prägt kein Kunstwille, sondern ein beiläufiger, fast dokumentarischer Gestus. Nicht eine einzige Einstellung bleibt in Erinnerung als Beispiel raffinierter Komposition. Stattdessen zeigt er sich mit der Impulsivität seiner Protagonisten solidarisch und vertraut damit auf das Assoziationsvermögen der Zuschauer.

„Auf Wiedersehen Amerika“ wurde 1994 auf dem Filmfestival in Cannes gezeigt und mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet.

Koyaanisqatsi

Koyaanisqatsi  Sollte der all zu oft bemühte Begriff „Kultfilm“ jemals einen Sinn haben, dann vermutlich für „Koyaanisqatsi“. Allein schon dieser Titel! In der Sprache der Hopi-Indianer hat er nicht weniger als fünf Bedeutungen: verrücktes Leben; Leben in Aufruhr; Leben in Auflösung; Leben aus dem Gleichgewicht; Leben in einem Zustand, der nach Veränderung ruft. Als „Koyaanisqatsi“ 1983 in die Kinos kam, waren viele (auch ich) vollkommen überwältigt von dieser filmischen Meditation über den endzeitlichen Verfall unserer Mutter Erde. Kein anderer Film entsprach so sehr der damaligen politischen Stimmung wie dieser, an dem Regisseur Godfrey Reggio, Kameramann Ron Fricke und Komponist Philip Glass sieben lange Jahre getüftelt hatten, ein fulminanter kinematografischer Bilderbogen, der vom Paradies über die Gegenwart der Städte bis zur Apokalypse reicht.

Am Anfang sehen wir den Grand Canyon in all seiner Schönheit, aus dem Hubschrauber mit erhabenen Totalen fotografiert, Wasserfälle und Wolkenformationen. Dann, nach etwa zwanzig Minuten, zieht das Unheil herauf: riesige Bagger, die sich am Idyll zu schaffen machen, Kraftwerke, die giftige Rauchschwaden ausspeien, Panzer, Autos, Rolltreppen, Hochhäuser. All diese Symbole der Dekadenz und des Untergangs sind durch das Prinzip der beschleunigten Montage strukturiert und assoziativ kombiniert. Menschen irren umher in labyrinthischen Bauten, Blechlawinen quälen sich durch den urbanen Moloch, Impressionen von zerfallenen Wohnsilos. Weiter führt die Bilderreise, immer hastiger, immer ruheloser, bis wir schließlich, nach der endlos erscheinenden Zeitlupenaufnahme einer explodierenden Rakete, zu den indianischen Höhlenzeichnungen der Eröffnungssequenz zurückkehren.

Heute, fast 20 Jahre später, frage ich mich, ob „Koyaanisqatsi“ tatsächlich etwas bewirkt hat, ob uns der Film damals zur Besinnung gebracht oder uns nur in Trance versetzt hat? Immerhin: Die „Grünen“ sitzen inzwischen in der ein oder anderen Regierung. Und das haben sie garantiert auch „Koyaanisqatsi“ zu verdanken.

 

The Killing

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Stanley Kubrick hat wie kaum ein anderer Regisseur die eklatanten Widersprüche des Filmemachens repräsentiert: zwischen dem klassischen Erzählkino (dessen Techniken er übernahm) und dem Experiment (das in all seinen Filmen stattfand), zwischen Hollywood (das er enttäuscht verließ) und Europa (wo er bis zu seinem Tod lebte und arbeitete), schließlich zwischen Industrie (von der er sich durchfüttern ließ) und individueller Vision (die er unbeirrt auslebte). So hat Kubrick ein Kino geschaffen, das unsere Welt nicht nur abbildet, kritisiert und womöglich sogar verbessert, sondern das „dorthin gelangen wollte, wo noch niemand zuvor war“. Was der Kritiker Georg Seeßlen über das Lebenswerk des genialen Regisseurs, über Filme wie „2001: Odyssee im Weltraum“, „Shining“ oder „Eyes Wide Shut“ geschrieben hat, gilt in vielerlei Hinsicht schon für „The Killing“, Kubricks ersten kommerziellen und künstlerischen Erfolg von 1956.

Kaum ist Johnny Clay (Sterling Hayden) aus dem Gefängnis entlassen, will er schon das nächste große Ding drehen: Gemeinsam mit einigen alten Komplizen plant er, die Wetteinnahmen der Pferderennbahn zu klauen. Doch trotz ihres anscheinend perfekten Plans lassen sich nicht immer alle Eventualitäten vorhersehen. Es sind banale Zufälle und die Geldgier der Banditen, die den Coup letzten Endes zunichte machen …

Mit „Die Rechnung ging nicht auf“ – so der deutsche Titel – hat der damals 28-jährige Kubrick einen Schlussstrich unter das Genre des „Film noir“ gezogen – und das für ein Mini-Budget von 320.000 Dollar. Der harte, kompromisslos inszenierte Thriller stand für Filme wie Tarantinos „Reservoir Dogs“ Pate.

Prinzessin Mononoke

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Als Hayao Miyazaki vor bald 30 Jahren die Zeichentrickserie „Heidi“ schuf, ahnte vermutlich niemand, dass er einmal den erfolgreichsten japanischen Film aller Zeiten drehen würde. Ich jedenfalls konnte mir das nicht vorstellen, dermaßen dilettantisch und nichts sagend fand ich die kleine Alpentrulla und ihren Ziegenpeter damals. Dennoch hat „Prinzessin Mononoke“ an den japanischen Kinokassen sogar Blockbuster wie „Titanic“ abgehängt.

Mononoke, die wilde Prinzessin, die bei den Wölfen lebt, sieht zwar wie eine entfernte Verwandte von Heidi aus, sie hat mit dieser aber genauso wenig zu tun, wie mit den auch hierzulande populären japanischen Mangas, etwa der Endzeitvision „Akira“. Der Regisseur inszeniert sein Epos stattdessen als Mischung aus Märchen und ökologischer Apokalypse. So entsteht eine virtuos animierte Bilderwelt, angefüllt mit reichlich Action und etwas Poesie und bevölkert von allerlei faszinierender Geschöpfe.

Wann habe ich so etwas Schönes zuletzt im Kino gesehen? Ich glaube, es war damals bei „Bambi“!

Ein „Wuff“ genügte!

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Natürlich erinnere ich mich noch genau an die Titelmelodie von „Bonanza“. Ich erinnere mich auch an meine Bauchschmerzen, weil nach „Bonanza“ nicht mehr viel passierte, nur noch Ranzen packen, pennen und dann wieder los zur Schule. An das Geräusch von Emma Peels Knautschlack-Kampfanzug erinnere ich mich ebenso. Und an die Stimme des Lenor-Gewissens.

Das Fernsehen in den Siebzigern war – anders als heute – ein Ereignis. Es hatte noch richtige Stars: „Wickie“ beispielsweise oder „Pan Tau“. Und es gab haufenweise Kultobjekte: das ominöse Fragezeichen in Rudi Carrells „Am laufenden Band“ etwa, die Schmierseife bei „Spiel ohne Grenzen“ oder die 20 Zentimeter breiten Schlipse von Michael Douglas in „Die Straßen von San Francisco“.

Die absolut ödeste Es-ist-mal-wieder-Sonntag-nachmittag-und-wir-wissen-nicht-was-wir-machen-sollen-Serie war „Unsere kleine Farm“. Manchmal, wenn wir die elterlichen Spaziergänge boykottieren konnten und auf den beiden anderen Sendern noch größere Monotonie zu befürchten war, haben wir sie uns dennoch angesehen. Das heute so populäre „Zappen“ war damals nämlich out. Einerseits mangelte es an fingersensiblen Fernbedienungen, andererseits hielt sich stur das Gerücht, der Fernseher würde vom häufigen Umschalten kaputtgehen.

Umgeschaltet haben wir höchstens, wenn „Flipper“ kam, wobei es ja wirklich unglaublich war, was alles in dieser einen Bucht irgendwo in Florida passierte: Ständig musste „der kluge Delfin“ angeschwommen kommen, um Porter Ricks und seine Söhne Sandy und Bud aus brenzligen Situationen retten.

Flipper kämpfte mit gemeinen Haien und noch gemeineren Schurken, befreite seinen zwölfjährigen Freund aus einem ins Meer gestürzten Flugzeug und wies dem vor dem Ruin stehenden Fischer Porter den Weg zu neuen, reichen Fischgründen.

Flipper als Freund und Helfer, der alles versteht und alles verzeiht. Genauso edel, hilfreich und gut wie die anderen tierischen Helden unserer Kindheit: Fury, Skippy, das Buschkänguru und ganz besonders Lassie.

Lassie war Flipper ohne Flossen und überhaupt das menschlichste aller Film-Tiere. Einfach toll, wie der liebenswerte Collie mit einem einzigen „Wuff“ hochkomplizierte Sachverhalte erklären konnte: „Timmy ist auf den hohen Baum am Fluss geklettert und kommt nicht wieder runter!“ Dann wurde immer die dramatische „Lassie holt Hilfe“-Musik gespielt.

Mit normalen Hunden hatte Lassie nicht viel zu tun: In neun Spielfilmen und 600 Fernsehfolgen biss er keinen einzigen Briefträger, und er schnauzte auch niemandem zwischen den Beinen herum. Lassie war durch und durch heile Welt. Intakte Familie, gesunde Natur und alte Werte. Genau das Richtige für unsere Sonntagnachmittage also.

Irgendwann kamen dann die Eltern nach Hause und fragten: „Hast du schon wieder umgestellt? Die nächste Reparatur bezahlst du von deinem Taschengeld!“ Zum Glück gab es keine nächste Reparatur, weil wenig später ein Farbfernseher mit Fernbedienung unsere gute Stube schmückte.

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Lassie im Internet unter: http://www.lassie.net

Der Popstar des Dschungels

tarzan 1 Er war weder der erste noch der letzte Tarzan. Vor und nach ihm streiften andere den Lendenschurz über, hangelten sich an Lianen durch den Urwald und brachten Sinn in das natürliche Chaos. Von Buster Crabbe über Lex Barker bis zu Miles O’Keefe und Christopher Lambert. Doch nur Johnny Weissmüller war mit der Figur des Affenmenschen wirklich identisch.

Johnny hatte sich die Rolle erschwommen. Als erster Mensch blieb er über 100 Meter Freistil unter einer Minute, 67 Weltrekorde stellte er auf und gewann vier olympische Goldmedaillen. Dass er der ideale Tarzan war, hatte allerdings noch andere Gründe: Man konnte ihm geradezu ansehen, dass er im Einklang mit der Natur leben und glücklich sein konnte. Auch die militante Ablehnung der Feuerwaffen, die er in seinen Filmen vorlebte, nahm man ihm ab. Und wie kein Zweiter verkörperte er Schönheit, Kraft und Stärke. Mehr noch: Er war athletisch und rührend gebieterisch und sanftmütig zugleich. Mit seinem romantischen Gesichtsausdruck stellte er auf vollkommene Weise den Naiven dar.

Dass dieser einsilbige Tiermensch zugleich wie ein Popstar des Dschungels wirkte, lag an seinem beispiellosen Sex-Appeal. Natürlich hatte er allen anderen männlichen Sexsymbolen seiner Zeit voraus, dass er fast nackt spielen durfte. Aber Johnnys erotische Ausstrahlung entstand in erster Linie durch die Kombination von Zärtlichkeit und animalischer Aura. Während der erste Leinwand-Tarzan Elmo Lincoln Jane schmachtend zu Füßen lag und ergeben ihre Hand küsste, eher verklemmter Lüstling als Retter und Beschützer, zeigte sich Johnny als instinktsicherer Verführer. Er nahm Jane (die bezaubernde Maureen O’Sullivan) in seine Arme, „drückte sie fest an seinen glänzenden, nackten Körper und schloss ihren halb geöffneten Mund mit einem heißen Kuss“. So wollte es sein Erfinder Edgar Rice Burroughs, so machte es Tarzan. Auf Zebraleder liebten sich der Wilde und die Lady. Und so vollzog sich die Versöhnung zweier Kulturen.

Johnnys Rede war kurz und knapp: „Ich Tarzan, du Jane. Ich dich lieben.“ In höchster Gefahr allerdings verdichteten sich seine Worte zu einem irrlichternden Schrei, der die grüne Hölle verstummen ließ: „Aahiihaahiihaah!“ Zusammengemischt aus Geigengeschrammel, Kamelblöken und Hyänengeheul war dies der Urschrei der animalischen Psyche vor ihrer Verkrüppelung.

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Tarzan, der Affenmensch (USA 1932) Tarzans Vergeltung (USA 1934) Tarzans Rache (USA 1936) Tarzans Abenteuer in New York (USA 1942) Tarzans geheimer Schatz (USA 1941)