Fitzcarraldo

Von dem Gedanken besessen, an den Ufern des Amazonas ein Opernhaus zu errichten und Enrico Caruso singen zu lassen, setzt der Visionär Fitzgerald (Klaus Kinski) Himmel und Hölle, zumindest aber einen gewaltigen Raddampfer in Bewegung. Obwohl er den 300 Tonnen schweren Kahn mithilfe der Indios tatsächlich über den Berg und durch die Wälder bringt, scheitert sein hochfliegender Plan letztendlich doch.

„Fitzcarraldo“, dieser Lebenskünstler im südamerikanischen Regenwald, reiht sich nahtlos ein in die Galerie großer und närrischer Helden, die die Filme Werner Herzogs bevölkern. Doch im Gegensatz etwa zu Lope de Aguirre, der am Ende nicht mehr alle beisammen auf einem Floß dahintreibt, scheitert Fitzgerald mit Grandezza: zufrieden eine Zigarre schmauchend, brüstet er sich vor seiner Molly (Claudia Cardinale) damit, das Unmögliche für einen kurzen Augenblick vollbracht zu haben.

Die Geschichte ist – wie nicht selten bei Herzog – eher unerheblich. Dagegen sorgen die berauschenden Tableaus und die sphärischen Klänge von Popol Vuh, der Hausband des Regisseurs, für eine solch sinnliche Intensität, dass man den absurden Anlass für all den Trubel bald vergessen hat und sich ganz und gar einem visuellen Kunstwerk ersten Ranges hingeben kann.

Während seiner vierjährigen Entstehungszeit hat „Fitzcarraldo“ immer wieder für Schlagzeilen gesorgt: zahllose Unfälle, angebliche Menschenrechtsverletzungen und sogar ein Mordauftrag ließen viele Beteiligte nicht zu Unrecht zu der Auffassung kommen, dass Aufwand und Ertrag bei Herzogs Meisterwerk nicht mehr in einem angemessenen Verhältnis gestanden haben.

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