Die Leiden des jungen Werthers

„Nein, ich betrüge mich nicht!“, schreibt Werther am 13. Juli 1771 an seinen Freund Wilhelm. „Ich lese in ihren schwarzen Augen wahre Teilnehmung an mir und meinem Schicksal. Ja ich fühle, und darin darf ich meinem Herzen trauen, daß sie – o darf ich, kann ich den Himmel in diesen Worten aussprechen? – daß sie mich liebt!“

Kaum ein Werk hat so sehr den Nerv seiner Zeit getroffen wie Goethes 1774 erschienener Briefroman „Die Leiden des jungen Werthers“. Eine ganze Generation hat sich mit dem Helden identifiziert, „der mit einer tiefen reinen Empfindung und wahrer Penetration begabt, sich in schwärmende Träume verliert, sich durch Spekulation untergräbt, bis er zuletzt durch dazutretende unglückliche Leidenschaften; besonders eine endlose Liebe zerrüttet, sich eine Kugel vor den Kopf schießt.“ (Goethe).

Regisseur Egon Günther, der bereits in vielen preisgekrönten Filmen („Lotte in Weimar“) große Literatur ins Bild gesetzt hat, stellt die hoffnungslose Liebe zwischen Werther und Lotte in einen sozialen Kontext, der weit über das rein Private hinausgeht. So verhindert er, dass sich die Handlung aus der Realität in die Bücherschränke der Bildungsbürger flüchtet und der Kinobesuch zur Deutschstunde verkommt.

Grandiose Adaption von Goethes „Sturm und Drang“-Roman.

 

Die Leiden des jungen Werthers DDR 1976, 106 Minuten, ab 12 Jahren, R: Egon Günther, D: Katharina Thalbach, Hans-Jürgen Wolf, Hilmar Baumann

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s