Die Wendeltreppe (The Spiral Staircase)

„Ich habe die Aufgabe, die Welt von allem, was schwach ist, zu befreien. Heute bin ich stark. Mein Vater wäre stolz auf mich!“ Die Worte des Mörders in Robert Siodmaks Thriller „Die Wendeltreppe“ ließ das deutsche Kinopublikum in den 50er Jahren schaudern. Es wollte nicht an die Euthanasie der Nazis erinnert werden, es wollte das vor allem nicht im Kino sehen. Die Kritik attackierte den Emigranten Siodmak wegen seiner „Geschmacksverirrungen“. Dass er bis 1933 bei der UFA Erfolge gefeiert hatte wie „Der Mann, der seinen Mörder sucht“ mit Heinz Rühmann oder „Quick“ mit Hans Albers, hatte man kurzerhand verdrängt.

Im Ausland wurde „Die Wendeltreppe“ als „Psychothriller von makelloser Schönheit“ bejubelt, insbesondere die Atmosphäre unentrinnbarer Bedrohung, die der Regisseur und sein Kameramann Nicholas Musuraca entwarfen, galt als genrebildend für den Film noir.

Helen, die seit ihrer Kindheit stumm ist, arbeitet als Haushälterin bei der älteren Frau Warren und deren beiden Söhnen. In der Kleinstadt sind bereits mehrere Frauen mit körperlichen Handicaps ermordet worden, und auch im Haus der Warrens geschieht ein Mord. Helens Verdacht fällt auf einen der beiden Brüder. Als der andere versucht, sie zu töten, wird er von seiner Mutter erschossen. In Panik greift Helen zum Telefonhörer – und kann plötzlich wieder sprechen.

Auch wenn die Handlung nicht ganz Film-noir-gemäß in den 10er Jahren des letzten Jahrhunderts angesiedelt ist, macht Siodmak ausgiebig Gebrauch von flackernden Kerzen, tiefen Schatten, Gewitter und nicht zuletzt von dem Treppenhaus. Eine atmosphärisch raffinierte Welt mit fatalistischen Zügen, ebenso zynisch, wie obsessiv.

 

Die Wendeltreppe USA 1946 82 Minuten, ab 16 Jahren, R: Robert Siodmak, D:Dorothy McGuire, Ethel Barrymore, George Brent

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